10 Tipps für schönere Portraits

 

Bei der Portraitfotografie sind es oft Kleinigkeiten, welche man leicht anwenden kann, die dann aber einen grossen Effekt erzielen und zu besseren Bildern führen. Ich habe dir hier meine 10 Tipps für schöne Portraits, welche ich auch immer selber bei meiner Arbeit versuche zu beherzigen,   zusammengetragen. Ich gebe zu,  ich könnte diese Liste wahrscheinlich noch eine Weile weiterführen aber belassen wir es fürs Erste mal bei diesen 10 :) Falls du schon länger in der Portraitfotografie unterwegs bist, magst du diese Tipps bestimmt schon kennen, aber ich glaube gerade als Anfänger kannst du hier einiges an Mehrwert mitnehmen. Ich wünsche dir viel Spass beim Lesen und vor allem beim Anwenden :)

 


1.Suche Schatten!

Bei Outdoor Portraits solltest du nicht in der prallen Sonne fotografieren, sondern nach Möglichkeit Schatten suchen. So kannst du starke Kontraste, unvorteilhafte Schatten, überbelichtete Flächen und zusammengekniffene Augen vermeiden. Ist weit und breit kein Schatten in Sicht, kannst du dir mit einem Diffusor, den eine dritte Person über deinem Model hält, weiterhelfen. Hast du keinen Diffusor dabei und wirklich überhaupt keinen Schatten, dann versuche zumindest dein Model mit dem Rücken zur Sonne zu positionieren, sodass ihr die Sonne nicht direkt ins Gesicht scheint. Du wirst dann eine überbelichtung in den Haaren haben und das Gesicht wird etwas dünkler erscheinen.  Um diese Überbelichtung  im Gegensatz zum dem dunklen Bereich etwas zu kompensieren, kannst du mit einem Reflektor das Gesicht etwas aufhellen. Und wieder: solltest du Keinen Reflektor dabei haben oder einfach keinen Besitzen, dann nimm einfach einen weissen Karton (und sei es nur eine Pizzaschachtel!). Du wirst auch damit das Gesicht etwas aufhellen können und die übereblichtung der Haare wird ein wenig ausgeglichen. Und schon hast du statt zusammengekniffenen Augen und Harten, unvorteilhaften Schatten ein harmonisches Portrait :)

2. Geh nah ran!

 Oftmals hat man das Problem, gerade wenn man On-Location fotografiert, dass man einen langweiligen oder vielleicht sogar störenden Hintergrung hat. Bei Portraitfotos spielt sich alles im Gesicht ab. Deswegen rate ich dir, geh nah ran an dein Model, und beschneide ganz „aggressiv“. Du wirst dich wundern welche Wirkung du damit erzielen kannst. Ein weiterer Vorteil: bei Close-Ups ist nur das Gesicht zu sehen. Damit ist auch das Problem mit dem störenden oder langweiligen Hintergrund gegessen.

3.Perspektivenwechsel!


Wenn man als Fotograf vor seinem Model steht, steht man meistens, außer wenn man so klein ist wie ich :), mit dem Model auf Augenhöhe. Aus diesem Winkel werden auch die meisten Portraits geschossen. Deswegen: Ändere deinen Aufnahmewinkel. Bleib nicht wie angewurzelt stehen, sondern bewege dich. Mit einem kleinen Perspektivenwechsel kannst du komplett andere Bildergebnisse erzielen. Versuch dein Model aus der Froschpersepektive zu fotografieren oder von oben auf das Model runterzufotografieren. Spiele mit dem Blick des Models. Lass sie/ihn zu dir raufschauen oder verträumt in die Ferne blicken. Mit einer kleinen Änderung des Aufnahmewinkels kannst du Fotos mit einem tollen Wow-Effekt zaubern.

4. Kreativ beschneiden!

Der "Goldenen Schnitt", die "Dritte Regel".....

Bei der Dritte-Regel wird das Bild gedanklich in neun Teile geteilt. Zwei waagerechte und zwei senkrechte Linien, so dass es 6 gleichgroße Quadrate gibt. Das zu fotografierende Motiv, also in unserem Fall das Model wird an einem der vier Schnittpunkte platziert, man kann es aber auch längs einer Linie platzieren. Exakt dieses Teilungsverhältnis kommt extrem oft in der Natur vor und wird im Allgemeinen vom Menschen als harmonisch empfunden. Es ist wichtig als Portraitfotograf diese „Regeln der Komposition“ zu kennen, um sie anwenden zu können. Jedoch finde ich es auch wichtig diese Regeln manchmal zu brechen. Also warum nicht einmal das Model einfach genau in die Mitte des Fotos stellen? Oder eben komplett an den Rand? Regeln sind immerhin dazu da um gebrochen zu werden.

5. Rede mit deinem Model!

 

Du musst mit deinem Model reden können; eine Art „Beziehung“ aufbauen. Nur so kann dein Model locker werden und auf den Fotos natürlich und gut rüberkommen. Du kannst die beste Location und das schönste Licht der Welt haben, aber dein Model wird angespannt sein und deine Fotos bleiben langweilig. Deswegen sprich mit deinem Model und lass sie/ihn nicht einfach so dastehen.

 

6. Das Model nicht merken lassen, wenn ein Bild nichts geworden ist!

 

Bleiben wir also bei der Interaktion mit dem Model. Es gibt nichts schlimmeres für das Model als wenn du als Fotograf nach ein paar Schüssen auf die Kamera schaust und auf einmal schnaufst, vielleicht sogar noch eine Miene verziehst und sagst: „Hm.. das sieht jetzt aber irgendwie komisch aus“ oder... „Na so hab ich es mir eigentlich nicht vorgestellt“. Dein Model wird sich nicht gut fühlen, eingeschüchtert sein und im schlimmsten Fall vielleicht gar keine Lust mehr auf das Shooting haben. Deswegen solltest du in so einem Fall eher Etwas sagen wie: „Das sieht schon ganz gut aus, aber versuchen wir es mal so, oder so,.. das kriegen wir NOCH besser hin.“ Das wirkt viel freundlicher und weniger einschüchternd für dein Model. Und im Gegenzug aber, wenn die Bilder nach ein paar Schüssen oder auch erst Zwischendurch schon richtig gut aussehen, zeige doch deinem Model auch mal ein Ergebnis. Er oder sie soll sehen wie toll die Bilder jetzt schon aussehen: Das wird dein Model motivieren und sie/er wird noch besser werden und versuchen nochmal eine Schippe draufzulegen.

 

7. Richtige Belichtung

 Wenn ich Portrait-/Beauty-Aufnahmen im Studio mache, habe ich ein „Lieblingslicht“. Nämlich das Licht von oben. Die Lichtquelle wird direkt oberhalb der Kamera platziert und leuchtet dem Model 30-60cm von oben direkt ins Gesicht. Dieses Licht glättet die „Oberfläche“, macht sie nahezu perfekt und wirft einen kurzen Schatten unter das Kinn, der sehr natürlich wirkt. Man kann den Schatten gegebenenfalls mithilfe eines silbernen Reflektors nochmals reduzieren.

8. Etwas vor die Linse halten

 Eine schöne Gestaltungsmöglichkeit bei der Portraitfotografie ist das Freistellen des Models mittels Schärfentiefe. Das heisst, der Hintergrund und bestenfalls auch der Vordergrund sind in eine weiche Unschärfe gehüllt und nur das Model steht scharf im Mittelpunkt. Um diese Schärfentiefe schön effektvoll zu erzielen sollten man natürlich offenblendig fotografieren. Ich persönlich liebe es, gerade bei On Location Portraits noch Etwas vor die Linse zu halten (Blumen, Äste, Blätter etc.) um eine noch geringere Schärfentiefe zu erzielen und mein Model dadurch noch mehr zur Geltung kommen zu lassen. Versuch es mal, du wirst tolle Ergebnisse erzielen.

9. Styling ist wichtig!

 

Der Satz sagt eigentlich schon alles. Ich finde das Styling vor einem Fotoshooting enorm wichtig. Ein professionelles Make Up und toll gemachte Haare können die natürliche Schönheit deines Models betonen und so das Beste aus ihr und auch aus deinen Bildern herausholen. Ebenso wichtig finde ich Accessoires. Die richtigen Accessoires beeinflussen den ganzen Look des Outfittes und letztendlich auch den Look und die Wirkung deines Fotos. Deswegen rate ich dir: stelle dir ein gutes Team zusammen, und beratet euch vor einem Shooting. Suche dir Bilder heraus (Pinterest, Google usw.), wie du dir Haare und Make Up vorstellen würdest. Frage dein Model bzw. deinen Kunden wie sie sich ihr Make Up und Ihre Haare wünschen würde bzw. was möchte sie auf keinen Fall haben? Erstelle ein Moodboard mit deinen Vorstellungen, dann kann das ganze Team sich besser vorstellen wie deine Idee aussieht und jeder weiss was er zu tun hat.

10. Nachbearbeitung

Natürlich sollte schon das Ausgangsfoto ein gutes Foto sein, keine Frage. Ein schlechtes Foto zu machen und dann bei der Nachbearbeitung versuchen irgendwie etwas Brauchbares rauszuholen ist nicht Sinn der Sache. Dennoch finde ich persönlich die Retusche und die generelle Nachbearbeitung, gerade bei Portraits, enorm wichtig! Die Portraitfotografie lebt davon die Menschen von ihrer besten Seite zu zeigen. Störende Hautunreinheiten, dunkle Augenringe, fliegende Haare, abgesplitterter Nagellack, Fussel auf dem Pullover, störende Dinge im Hintergrund... All diesen „Kleinigkeiten“ sollte man sich bei der Nachbearbeitung widmen. Genauso kann man aber auch „schöne Dinge“ hervorheben. Die Augen etwas aufhellen zum Beispiel dauert nur ein paar Minuten und lässt dein Model richtig strahlen. Bei lächelnden Personen die Zähne ein klein wenig aufzuhellen (nicht übertreiben!) hat auch noch selten einem Portrait geschadet. Ich spiele bei der Nachbearbeitung auch gerne mit den Farben. Hat das Rot des Nagellackes nicht 100% zum Rot der Lippen gepasst? Kein Problem, dies zu beheben dauert echt nur wenige Sekunden und lässt das Bild gleich viel besser wirken. Also nehmt Euch Zeit für die Nachbearbeitung um aus Euren tollen Portraits unglaubliche Bilder mit Wow-Effekt zu zaubern!


 

Wie ich anfangs schon gesagt habe könnte ich das noch eine ganze Weile weiterführen, somit wird es bestimmt bald eine Fortsetzung geben. Ich hoffe jedoch, du konntest vielleicht ein oder zwei Sachen mitnehmen und für dein nächstes Portraitshooting anwenden. Ich wünsche dir viel Spass beim ausprobieren und sage ein grosses DANKE für deinen Besuch.

 

Solltest du Fragen zu einem Punkt oder auch zu Themen haben, die hier nicht angeführt sind, dann schäue dich nicht und schreibe mir einfach eine Nachricht.

 

Ich wünsche dir noch einen schönen Tag und bis zum nächsten Mal! Dani :)